Das andere Varadero – oder: No risk no fun!

Auch Varadero, das in erster Linie durch All-Inclusive-Tourismus bekannt ist, hat eine andere Seite. Wenn man sich die Mühe macht und zum Beispiel mit den Hop-on-hop-of-Bussen das komplette Areal entlang fährt, kann man viele schöne Sachen entdecken. Fern ab von schicken Hotelanlagen, tollen Stränden und Essen und Trinken bis um Umfallen.

Wir hatten im Marco-Polo-Reiseführer gelesen, dass es zum Beispiel schöne Höhlen und eine tolle Gartenanlage zu bestaunen gibt, also haben wir uns auf an einem Nachmittag auf den Weg gemacht. Und es sollte eine durchaus aufregende Etappe sein. Trotz all der Warnungen im Hinterkopf, die wir gehört hatten, als wir berichteten, dass unsere Hochzeitsreise nach Kuba geht. Diese Warnungen klangen in etwa so: „Oh Gott, da müsst Ihr aber aufpassen, die haben alle Macheten.“ – „Passt gut auf Euch – da wird ja jeder überfallen.“ – „Steigt da ja zu keinem Fremden in’s Auto.“ – „Das Land ist total gefährlich.“ Und so weiter und so fort.

The other Varadero

The other Varadero

Zum ersten Hinweis: Ja, auf Kuba gibt es viele Menschen mit Macheten. So gesehen, als wir uns mit unserm Gepäck direkt nach der Ankunft im Hotel (Mehr in: „Honeymoon in Varadero„) auf den Weg zu unserem Zimmer machten. Ungelogen: Da stand direkt vor uns ein Herr mit Machete. Gut, er war damit beschäftigt, die Hecke der Hotelanlage zu stutzen, dennoch konnten wir uns ein Lachen nicht verkneifen.

Zum zweiten und vierten Hinweis: Weder wurden wir überfallen, noch jemand anderes, den wir kennen. Auch wenn das natürlich nichts heißt, aber selbst im Reiseführer steht, dass Kuba mit das sicherste Land für Touristen in dieser Region ist. Sicher haben wir uns im Übrigen auch die ganze Zeit gefühlt. Und sehr herzlich aufgenommen von den Kubanern.

Zum dritten Hinweis: Das hatten wir natürlich nicht vor. Aber wie so oft kommt es ersten eben anders und zweitens als man denkt. Mehr dazu später.

Cueva de Ambrosia

Cueva de Ambrosia

Wir saßen also gemütlich im Doppeldeckerbus und sind erstmal die ganze Strecke abgefahren. Einfach um zu sehen, ob es vielleicht noch mehr zu entdecken gibt als die Dinge, die ohnehin schon auf unserem Zettel standen. Auf der Rückfahrt wollten wir dann an der Cueva de Ambrosia aussteigen. Hier gab es eigentlich keine richtige Haltestelle, aber die nette Busfahrerin fragte uns, wo wir aussteigen wollten, als wir unten an der Tür standen. Nachdem wir ihr geantwortet hatten, hielt sie kurzerhand direkt vor der Höhle an.

Höhlenmalerei

Höhlenmalerei

Wir stiegen also aus und wollten uns erstmal orientieren. Dazu kam es aber gar nicht, weil ein junges Mädchen auf uns zu gestürmt kam und fragte, ob wir auch ich die Höhlen besichtigen wollten. Wir bejahten, woraufhin sie uns in gefühlt einem Satz erklärte, dass sei super: Sie sei unserer Führerin, der Eintritt koste 5 CUC, wir könnten sie aber später bezahlen, denn ein holländisches Paar sei schon in der Höhle, wir sollten direkt hinterher, dann könne es losgehen. Und was haben wir gemacht? Wir sind natürlich direkt in die Höhle reingestolpert, gefolgt von der Kubanerin. So viel zu all den Hinweisen zur Sicherheit. Tja, was soll ich sagen?! Wie schon oben erwähnt, wurden wir nicht ausgeraubt. Im Gegenteil: Die Führung der Dame war eine Bereicherung: superinteressant, tolle Eindrücke und wirklich herzlich (auch die beiden Holländer waren sehr nett). Zu sehen gab es neben jeder Menge Steine, Höhlenmalerei und Pflanzen auch noch Fledermäuse.

Cueva de Ambrosia

Cueva de Ambrosia

Bezahlt haben wir die Dame dann tatsächlich im Anschluss – inklusive mehr als verdientem Trinkgeld. Sie sagte uns noch kurz, wie wir zum ominösen Garten gelangen und schon marschierten wir wieder los. Vor dem Eingang trafen wir dann auf das ältere holländische Paar, mit dem wir schon die Höhlen besichtigt hatten. Wie auch immer sie es geschafft haben, vor uns angekommen zu sein. Denn: 1. Hatten sie sich noch eine Weile mit der Dame vor der Höhle unterhalten, als wir uns schon auf dem Weg machten. 2. Lief er an Krücken.

Die beiden fragten uns gleich, ob wir Moskitospray dabei hätten. Wir verneinten, woraufhin sie uns ihres anboten. Wir wollten nicht unhöflich sein und sprühten uns also ein. Allerdings wussten wir nicht wirklich wieso, schließlich sollte es sich hier ja nur um einen Garten handeln – und bisher waren wir auch komplett von Moskitostichen verschont geblieben.

Los geht's!

Los geht’s!

Gut, dass nicht nur die Kubaner nette Menschen sind, sondern auch die Holländer: Das Spray sollten wir nämlich mehr als gut gebrauchen können (trotz Spray hatte ich hinterher zahlreiche Moskitostiche). Tatsächlich handelte es sich hier nämlich nicht um einen Garten oder Park wie zum Beispiel beim Josone Park in unmittelbarer Nähe zu unserem Hotel, sondern im Grunde um einen Urwald. Ich war mit meinen Ballerinas natürlich bestens ausgerüstet, sodass der Besuch hier gleich mal doppelt spannend war. An manchen Stellen musste man sich durch Büsche durchquetschen, an anderen durch Felsen.

Auf der Suche nach dem Weg

Auf der Suche nach dem Weg

Tatsächlich war es aber superinteressant und hat extrem viel Spaß gemacht, obwohl es wirklich heiß und anstrengend war. Nach ein paar Stunden im Dschungel wollten wir dann wieder mit einem der Busse zurückfahren. Wie man es auch in Deutschland gewohnt ist, fuhrt uns einer direkt vor der Nase weg, sodass wir uns auf eine Wartezeit von einer halben Stunde einstellten. Nach etwa fünf Minuten an der Haltestelle hielt ein anderer Bus an – eine Art Reisebus. Der Fahrer öffnete die Tür und fragte, wo wir denn hin wollten. Wir nannten unser Hotel und er erklärte uns, wir könnten mit ihm mitfahren. Als wir ihm sagten, dass wir schon ein Ticket für die Hop-on-hop-off-Busse hätten, zeigte er uns einen Flyer davon und meinte: „Das ist kein Problem, dann könnt Ihr auch mit mir fahren. „Tja, und was haben wir gemacht? Richtig, wir sind eingestiegen. So viel zu: „Steigt nie bei fremden Leuten ein!“ Wir haben uns nicht viel dabei gedacht (natürlich nicht …) und waren einfach nur froh, nicht noch länger in der kubanischen Sonne warten zu müssen.

Verhungert wären wir zumindest nicht

Verhungert wären wir zumindest nicht

Also setzten wir uns in eine der vorderen Reihen und los ging die Fahrt. Als ich mich dann aber umdrehte, musste ich feststellen, dass außer uns niemand sonst im Bus saß. Da kam ich mir ehrlich gesagt vor wie in einem schlechten amerikanischen Horrorfilm, wo man sich nur denkt: „Wie doof sind diese Teenies denn bitte auch, dass sie da einsteigen. Das würde mir ja nie passieren.“ So viel dazu. Uns beschlich dann schon ein komisches Gefühl, aber an der nächsten Haltestelle führte der Busfahrer dasselbe Gespräch mit einer Familie, die dort ebenfalls auf den Bus wartete. Und zu unserer Erleichterung siegen auch die Leute bei uns ein. Was soll ich sagen?! Am Ende klappte alles total unproblematisch. Der nette Fahrer ließ uns sogar nahezu direkt vor unserem Hotel raus statt an der ein paar hundert Meter entfernten Haltestelle.

Fazit: Wir hatten einen tollen Tag und im Anschluss an den Urlaub auch noch jede Menge zu erzählen. Manchmal stimmt „No risk – no fun“ eben doch.

 

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