Ich. Einfach unverbesserlich unterwegs in Deutschland

Ist man als Auswärtsfan eigentlich der A*sch vom Dienst?

Die Antwort ist simpel: ja. Gut, dass ist mir nicht neu, sondern schon lange bekannt. Immerhin bin ich seit mehr als einem Vierteljahrhundert MSV-Fan. Das bedeutet nicht nur eine lange Leidenszeit (mit wenigen Höhepunkten), sondern eben auch viele Erfahrungen bei Heim- und Auswärtsspielen.

Was uns aber am 2. Spieltag der aktuellen Drittliga-Saison in Osnabrück passiert ist, ist definitiv das Negativ-Highlight meines Fußball-Fan-Lebens. Bisher zumindest. Man weiß ja nie.

Um das mal klarzustellen: Nicht nur in der heutigen Zeit bin ich ein großer Fan von Sicherheitskonzepten (wobei hier ja auch vieles mehr Schein als Sein ist – aber das ist ein anderes Thema). Ein genauso großer Fan bin ich von Deeskalation.

IMG_20160807_172117-01Dumm nur, dass beides insbesondere bei Fußballspielen oft nicht existent ist. Oder man zumindest den Eindruck hat, dass es nicht gewünscht ist. Weder von Ordnern noch von der Polizei.

Drei Ausnahmen seien an dieser Stelle erwähnt: Ein Pokalspiel bei Borussia Mönchengladbach, wo ein supernetter Ordner schon vor dem Stadion die Situation im Griff hatte und dafür sorgte, dass nicht mal irgend etwas hoch kochte. Dann gab es da noch einen netten Polizisten am Hauptbahnhof in Paderborn. Besonders hervorzuheben sind hier aber die Freiburger! Fans, Ordner, Polizisten und Serviceleute waren super entspannt, total nett und hilfsbereit. In allen drei Fällen waren wir als Fans des MSV Duisburg zu erkennen.

Genau das war aber heute in Osnabrück nicht der Fall. Da es sich ja um ein sogenanntes „Risikospiel“ handelte (wieso auch immer), wollten wir für so wenig Unruhe/Aufsehen/was auch immer sorgen, wie möglich. Also waren wir inkognito unterwegs.

Im Vorfeld des Spiels konnte man übrigens auch nicht an allen Vorverkaufsstellen in Osnabrück Karten für dieses „Risikospiel“ kaufen. Da die Schwester meiner Freundin, die mit ihrem Mann mit zum Spiel fahren wollte, in Osnabrück wohnt, hatte sie uns freundlicherweise Karten besorgt. Im Block neben den Auswärtsfans. Beim Kartenkauf wurde natürlich auch nicht darauf hingewiesen, dass man nur mit Wohnsitz in Osnabrück in’s Stadion gelassen wird. Wäre ja auch seltsam, aber dazu kommen wir gleich.

IMG_20160807_140240-01Entspannt machten wir uns also auf den Weg von Duisburg nach Osnabrück. Alles lief ziemlich gut, die Stimmung war sehr gut.

Trotz angeblichen „Risikospiels“ sah man vom Parkplatz bis zum Eingang des Stadions nicht einen Polizisten. Und auch das „Aufeinandertreffen“ zwischen MSV- und Osnabrück-Fans war total entspannt. Zumindest was wir beobachten konnten.

Dann waren wir am Eingang. Nach der obligatorischen Durchsuchung waren meine Freundin und ich drin. Ihr Mann wurde beim Vorzeigen der Karte nach seinem Ausweis gefragt. Weil da als Wohnort Duisburg drin steht, wurde er nicht rein gelassen – mit dem Hinweis, dass er zum Fanblock müsse. Da wurde er auch natürlich nicht rein gelassen, weil er für diesen Bereich ja keine Karte hatte.

Wir waren erstmal drin und ziemlich ratlos. Zumal in unserem Block ziemlich viele erkennbare MSV-Fans saßen.

IMG_20160807_183526-01Unser Freund stand also erstmal vor dem Auswärtsblock, wo er natürlich nach wie vor nicht rein kam. Langsam aber sicher sammelten sich hier immer mehr Leute mit dem selben Schicksal.

Eine Polizistin sagte, sie wisse, dass alle eigentlich durch die Eintrittskarten Anspruch darauf hätten, sich das Spiel anzusehen. Die Einsatzleitung würde auch gerade das weitere Vorgehen abklären.

Unser Freund ist erst einmal wieder zu unserem Eingang zurückgelatscht und hatte es bei einem anderen Ordner versucht. Und? Er kam rein. Ohne Diskussion, ohne Ausweis vorzuzeigen, ohne irgendwas. So viel zum Schein von Sicherheit.

Später kamen übrigens noch mehr MSV-Fans in unseren Block. Denen hatte die Polizei noch einmal klar gesagt, sie hätten das Recht dazu.

Um das klarzustellen: Ich weiß, dass der VfL Osnabrück Hausrecht im Stadion hat und damit entscheiden kann, wer rein kommt oder eben auch nicht. Aber dann müssen sie einem ja zumindest mal den Kartenpreis erstatten, wenn sie einen nicht rein lassen, ohne dass man gegen die „Hausordnung“ verstoßen hat. Man kann schließlich nicht einfach das Geld für die Karten einkassieren und die bezahlte Leistung nicht erbringen! Generell finde ich das gesamte Vorgehen mehr als fragürdig.

Und wenn Leute ohne erkennbaren Grund ihren Ausweis vorzeigen müssen und dann aufgrund ihres Wohnortes nicht in’s Stadion gelassen werden, ist das für mich diskriminierend. Und hat mal so gar nix mit Deeskalation zu tun. Im Gegenteil: Die Stimmung bei denen, die nicht vollzählig in’s Stadion kamen bzw. denen, die (erst einmal) draußen bleiben mussten, war vorsichtig gesagt, angespannt. Von den Leuten, die tatsächlich nach Hause gefahren sind, wollen wir gar nicht erst sprechen.

IMG_20160807_135522-01Lieber VfL Osnabrück, für mich seid Ihr nicht drittklassig, sondern unterirdisch. Echt schade. Sinnbildlich dafür ist  auch Eure Präsentation des Spielballs auf vier leeren Wasserkästen …

Es gibt übrigens doch einen Fußballgott – anders ist es für mich nicht zu erklären, dass wir in der Nachspielzeit noch den Ausgleich gemacht haben – durch unseren Torhüter! Nach dem ganzen Theater vor dem Spiel mehr als verdient für uns Fans, die nix anderes wollten, als einen schönen Fußball-Nachmittag zu verleben.

Michaela

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