Wartest Du noch oder fliegst Du schon? Oder: Wie ich zehn Stunden am Flughafen von Palma verbringen musste (2013)

Wartezeit am Flughafen ist ja meistens doof. Wenn man aber plötzlich und unerwartet acht Stunden mehr Zeit am Flughafen als gedacht überbrücken muss, ist das doppelt doof. Nee, dreifach. Oder noch mehr. Wie auch immer. Ursprünglich sollten wir den Rückflug von Palma nach Düsseldorf um 9:25 Uhr antreten. Super, dann hat man direkt die Chance zu Hause noch was einzukaufen. Der Transfer vom Hotel sollte dementsprechend bereits um 5:15 Uhr erfolgen. Sehr, sehr früh, aber hey, das würde man schon überstehen. Soweit der Plan.

Zwei Tage vor der geplanten Rückreise erfolgte ein Anruf durch die Reiseleitung vor Ort: Man habe uns auf die Maschine um 12:15 Uhr umgebucht, der Transfer starte daher erst um 9:15 Uhr. Super, immer noch genug Zeit, um zu Hause was einzukaufen und zudem – vieeeel wichtiger – die Chance, sich doch noch am Frühstücksbüffet zu stärken. Gesagt, getan. Pünktlich um 9:15 Uhr sammelte uns dann auch sein sehr netter Herr am Hotel ein. Noch besser: Er kam nur uns abholen – das lästige Anfahren unzähliger Hotels blieb uns also erspart, sodass wir um 10:10 am Flughafen von Palma ankamen. Alles lief super. Schnurstracks ging es also zum Check-In. Tja, und da nahm das Drama seinen Lauf. Die nette Dame konnte leider keine Buchung für uns finden und verwies darauf, dass unsere Tickets ja auch für einen früheren Flug ausgestellt seien. Wir berichteten ihr kurz von unserer Umbuchung durch den Reiseanbieter, woraufhin sie weiter wild auf die Tasten ihres Computers haute und telefonierte. Ergebnislos, es gab keine Buchung auf unseren Namen. Freundlich verwies sie uns an den Infoschalter der Airline, bot uns aber an, unsere Koffer solange bei ihr stehen zu lassen. Das nahmen wir gerne an und eilten zum Infoschalter.

Andere Dame, selbes Gespräch: Es gibt keine Buchung auf Ihren Namen – wir sollen aber den Flug um 12:15 Uhr nehmen – aber Ihre Tickets gelten für 9:25 Uhr – ja, aber wir wurden vom Reiseveranstalter umgebucht – usw. Auch sie telefonierte wild rum, kam aber zum selbsen Ergebnis wie die Dame zuvor: Es gab keine Buchung auf unseren Namen. Freundlicherweise rief sie dann bei der spanischen Niederlassung unseres Reiseanbieters an und gab uns den Hörer. Der ebenfalls sehr netten Dame am Telefon erklärten wir also wieder unser Dilemma. Sie entschuldigte sich vielmals für die Unannehmlichkeiten, konnte den Fehler auf die Schnelle auch nicht eruieren. Sie versprach uns auf eine andere Maschine zu buchen, allerdings seien erst im Flieger um 20:15 Uhr wieder freie Plätze. Gut, was sollten wir machen?! Immerhin hatten wir uns schon am Flughafen übernachten und am nächsten Tag erst zurück fliegen sehen – für Unsummen, die wir erstmal vorstrecken müssten.

Um kurz nach 11 Uhr war es also amtlich: Wir hatten noch neun Stunden Zeit, bis der Flieger ging – zu essen oder trinken wurde uns nichts angeboten. Also erstmal wieder zum Check-In, um die Koffer endgültig loszuwerden, bevor man sich den Kopf über mögliche Maßnahmen zur Zeitüberbrückung zerbrechen sollte. Als wir in der Schlange anstanden, fiel uns auf, dass die Dame, die uns zuvor so nett am Schalter 161 angeboten hatte, auf unser Gepäck aufzupassen, nicht mehr da war. Gut, man geht ja dann davon aus, dass sie der Kollegin, die nun auf ihrem Platz sitzt, Bescheid gegeben hat. Doof nur, wenn man beim Näherkommen feststellen muss, dass die Koffer nicht mehr am Schalter stehen. Hätte irgendwie zu diesem Tag gepasst, wenn jetzt auch noch unser Gepäck gestohlen worden wäre. Glücklicherweise standen die Koffer inzwischen aber einfach einen Schalter weiter. Aber so problemlos, wie wir die mitnehmen konnten, hätte sie jeder mitnehmen können. Egal, irgendwann hatten wir dann auch zum Glück eingecheckt.

Jetzt war guter Rat aber teuer. Was genau sollten wir eigentlich bis zum Boarding um 19:20 Uhr machen? Der Flughafen selbst hatte jetzt nicht so wahnsinnig viel zu bieten – da wäre man dann schon eher in Vancouver glücklich geworden, wie der Artikel „Fast zu schön zum Abheben“ bei Spiegel Online zeigt. Also entschlossen wir uns, einfach noch mal nach Palma reinzufahren – weil es dort wirklich schön ist, wie wir ein paar Tage zuvor bereits feststellen konnten.

 Katherale Le Seu

Das schwere Handgepäck wollten wir aber nicht mitschleppen also machten wir uns auf die Suche nach Schließfächern. Und liefen und liefen und liefen – aber offenkundig gibt es in diesem Flughafen keine Schließfächer. Ziemlich doof, weil wir wie gesagt weder die schweren Taschen noch unsere Jacken mitschleppen wollten. Schließlich war es in Palma sehr warm. Und unsere Kleidung hatten wir auf eine Mischung aus diesem und dem Wetter in Deutschland abgestimmt. Aber was blieb uns anderes übrig? Zum Glück kommt man mit dem Bus sehr schnell und relativ preisgünstig nach Palma. Dort liefen wir dann ein wenig rum und waren sehr dankbar, dass wir schon mal da waren, denn unser Reiseführer lag natürlich irgendwo im Koffer. So fanden wir uns aber ganz gut zurecht.

Und ein Gutes hatte dieser „erwzungene“ Ausflug dann auch noch: Auf dem wunderschönen Placa Major gab es an diesem Tag einen kleinen Markt, auf dem ich mir ein Paar Ohrringe gekauft habe.

 "Erzwungenes" Mitbringsel

Eigentlich sollte ich die dem Reiseveranstalter in Rechnung stellen – wie wir es mit den Kosten für Essen und Getränke bereits gemacht haben. Zudem erwarten wir eine Entschädigung, schließlich war es eindeutig deren Fehler. To be continued …

Als wir dann wieder am Flughafen zurück waren, hatten wir immer noch mehr als drei Stunden Wartezeit vor uns. Klar, man hätte auch noch mehr Zeit in Palma verbringen können, aber die unpassende Kleidung, das schwere Handgepäck sowie unsere Erschöpfung führen dazu, dass es einfach irgendwann keinen großen Spaß mehr machte. Zumal wir ja einfach kurz vorher schon da waren. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir das Ganze einfach anders geplant. Hätte, wäre, wenn …

Nach dem Sicherheitscheck – der echt mal superschnell war – ging es erstmal es zu Starbucks, wo ich mir einen leckeren Frappuccino gönnte. Ich hatte auch die Hoffnung, mir eine neue Tasse für meine Sammlung mitnehmen zu können, aber leider gab es keine zu kaufen.

 Starbucks Tassen-Sammlung

Einen Großteil der Zeit verbrachten wir dann bei McDonald’s, weil es da immerhin Wlan gab. Man freut sich ja auch schon über die kleinen Dinge im Leben. Außerdem kannten wir bis 45 Minuten vor Abflug auch noch nicht unser Gate – das Boarding wurde natürlich auch deutlich nach hinten geschoben. Aber ich glaube, ich habe es noch nie erlebt, dass das Boarding mit der hierfür angegebenen Zeit auf der Boardkarte übereinstimmt. Irgendwann saßen wir dann doch im Flugzeug Richtung Düsseldorf. Zwischenzeitlich hatte ich das nicht mehr wirklich für möglich gehalten. Der Flieger landete pünktlich um 22:40 Uhr (und nein, natürlich konnten wir nichts mehr einkaufen), auf unser Gepäck warteten wir dann noch mal gut 45 Minuten. Ehrlich gesagt hatte ich mich schon drauf eingestellt, dass es gar nicht mehr kommen würde. Expect the worst, hope fort he best. Nach 24 Uhr waren wir dann auch endlich zu Hause. Extrem müde und geschafft. Selbst am nächsten Tag habe ich mich immer noch wie nach einem Übersee-Flug gefühlt. Jetlag – für eine Reise von Mallorca nach Deutschland. Klingt komisch, ist aber so.

Ironischerweise hatten wir uns aufgrund meiner fortgeschrittenen Schwangerschaft sehr bewusst für eine Reise auf die Balearen entschieden, weil die Reisedauer eigentlich sehr übersichtlich ist. Wir konnten wirklich nicht davon ausgehen, dass zwischen Verlassen des Hotels und Landen in Düsseldorf 13,5 Stunden liegen würden. Tja, erstens kommt es anders …

Wie auch immer: Egal wie furchtbar auch die Rückreise gewesen sein mag, Mallorca selbst ist wirklich wunderschön – mehr dazu in den nächsten Beiträgen. Und wir hatten einen tollen, erholsamen Urlaub, auch wenn die Erholung bei der Rückkehr leider schon wieder aufgebraucht war.

Michaela

P.S.: Habt Ihr mal ähnliche Erfahrungen gemacht? Erzählt mir davon – ich bin gespannt.

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